Wenn Sie Ihre Kontoauszüge betrachten, sehen Sie vor allem Zahlenkolonnen. Für die Bank sind das Bausteine, aus denen sie Ihre finanzielle Situation ableitet. Im Kern geht es um vier Fragen: Wie stabil sind Ihre Einnahmen, wie hoch sind Ihre regelmäßigen Ausgaben, wie zuverlässig zahlen Sie und gibt es Auffälligkeiten, die ein Risiko signalisieren?
Stabile Einnahmen
Zunächst prüft die Bank, ob regelmäßig Geld auf Ihrem Konto eingeht. Meist handelt es sich um Gehalt, bei manchen zusätzlich um Mieteinnahmen, Unterhalt oder Einkünfte aus einem Nebenjob. Entscheidend ist, ob diese Einnahmen in ähnlicher Höhe und pünktlich eingehen. Diese Werte vergleicht die Bank mit den von Ihnen eingereichten Gehaltsabrechnungen. Stimmen Angaben und Kontobewegungen nicht überein, entstehen Rückfragen – im schlechtesten Fall wird der Antrag abgelehnt.
Die Haushaltsrechnung: Was bleibt am Monatsende übrig?
Aus Ihren Kontoauszügen lässt sich sehr genau erkennen, wie sich Ihr Alltag finanziell darstellt. Miete, Energie, Versicherungen, Abos, bereits laufende Kredite, Leasingraten oder Mitgliedschaften: All diese Posten fließen in eine Haushaltsrechnung ein. Dort stellt die Bank Ihre regelmäßigen Einnahmen Ihren typischen Ausgaben gegenüber.
Das Ergebnis zeigt, wie viel Spielraum am Monatsende bleibt und ob die von Ihnen gewünschte Kreditrate dazu passt. Wenn Sie zum Beispiel eine Sauna im Garten oder ein komfortableres Auto finanzieren möchten, ist es für beide Seiten wichtig, dass diese Rate Ihr Budget nicht sprengt. Je stimmiger die Rechnung ausfällt, desto eher erhalten Sie eine Zusage und desto besser fallen in der Regel die Konditionen aus.
Ihre Zahlungshistorie
Ein weiterer Aspekt ist Ihre bisherige Zahlungshistorie. Kontoauszüge zeigen, wie sorgfältig Sie mit Ihren Verpflichtungen umgehen. Fallen wiederholt Rücklastschriften auf, weil das Konto zum Abbuchungszeitpunkt nicht gedeckt war, oder sind häufiger Mahn- und Inkassozahlungen erkennbar, werten Banken das als Warnsignal. Auch ein dauerhaft und deutlich überzogener Dispokredit kann ein Hinweis darauf sein, dass Ihre laufenden Ausgaben das Einkommen übersteigen.
Einzelne Ausrutscher sind in der Regel kein K.O.-Kriterium, besonders wenn sie erklärbar und schon einige Zeit her sind. Häufen sich solche Vorkommnisse jedoch, steigt das wahrgenommene Risiko, und die Chancen auf einen Kredit mit guten Konditionen sinken.
Auffällige Zahlungen und Geldwäscheprävention
Schließlich achten Banken auch auf ungewöhnliche oder schwer erklärbare Bewegungen. Dazu gehören etwa häufige Bareinzahlungen in größerer Höhe, unerklärliche Eingänge aus dem Ausland oder hohe und regelmäßige Umsätze im Zusammenhang mit Glücksspiel. Hintergrund ist nicht nur die Frage, ob Sie sich den Kredit leisten können, sondern auch die Pflicht zur Geldwäsche- und Betrugsprävention. In solchen Fällen sind Banken zu besonderer Sorgfalt verpflichtet und müssen im Zweifel nachfragen oder einen Antrag ablehnen.